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Klimagespräche in Bonn: Aufrufe zu mehr Ehrgeiz bei Emissionssenkung und Klimahilfen
Zum Auftakt internationaler Klimaverhandlungen in Bonn hat UN-Klimachef Simon Stiell zu größeren Anstrengungen bei der Senkung der Treibhausgasemissionen und mehr Engagement bei der Klimafinanzierung aufgerufen. Zur Eröffnung der zweiwöchigen Verhandlungen verwies Stiell am Montag auf die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken, die die fortschreitende Erderwärmung mit sich bringt. Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mahnte trotz aller Schwierigkeiten zu einem Festhalten am UN-Klimaschutzprozess.
Stiell warnte angesichts des globalen Klimawandels vor Hitzewellen, "die Tausende an einem einzigen Tag töten". Zudem verwies der Exekutivsekretär des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) auf wirtschaftliche Risiken. "Ein Festhalten an Einfuhren fossiler Energieträger bedeutet den Import von Inflation und wirtschaftlicher Instabilität", sagte Stiell in seiner Eröffnungsrede. Insbesondere gebe es jetzt keine Zeit mehr, "Debatten noch einmal zu führen oder eingegangene Verpflichtungen wieder infrage zu stellen".
Bei den zweiwöchigen Verhandlungen ab Montag auf Fachebene am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn geht es um die Senkung der Treibhausgasemissionen, die Anpassung an Klimafolgen und um die Mobilisierung von Mitteln für die internationale Klimafinanzierung. Dabei sollen auch private Gelder stärker einbezogen werden. Die Gespräche dienen der Vorbereitung der nächsten UN-Klimakonferenz im November in Antalya, die von der Türkei in Zusammenarbeit mit Australien ausgerichtet wird.
Bereits zuvor hatte Stiell "maximale Fortschritte" bei den Gesprächen eingefordert. Neben den Emissionssenkungen nannte er vor allem die Verhandlungen über zusätzliche Finanzmittel für Klimaschutz und -anpassung sowie die Bewältigung von klimabedingten Schäden.
Schneider betonte anlässlich der Bonner Verhandlungsrunde, der internationale Klimaschutzprozess sei "eine Voraussetzung dafür, die Erderwärmung zu begrenzen und die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken des Klimawandels einzudämmen". Die Vereinten Nationen blieben "der zentrale Ort, an dem diese globale Herausforderung gemeinsam angegangen wird", erklärte er in Berlin.
"Deutschland wird dazu auch künftig seinen Beitrag leisten – verlässlich, konstruktiv und mit dem klaren Ziel, die internationale Energiewende weiter voranzubringen", versicherte Schneider. "Wer heute in Klimaschutz investiert, investiert zugleich in wirtschaftliche Stärke, Sicherheit und Wohlstand", hob der Minister hervor und fügte hinzu: "Deutschland wird sich dafür einsetzen, dass die internationale Staatengemeinschaft ihr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei der Elektrifizierung und bei Energieeffizienz, beim Schutz natürlicher Kohlenstoffspeicher und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels weiter erhöht."
Am klimapolitischen Kurs der Bundesregierung gibt es allerdings auch Kritik, besonders an der Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Deutsche Umweltverbände riefen die Staatengemeinschaft, aber auch die Bundesregierung zu einem entschlosseneren Handeln für mehr Klimaschutz auf. "Die Verhandlungen in Bonn müssen ein klares Signal für wirksamen Klimaschutz senden", hieß es von Germanwatch.
Die Verbände drangen vor allem auf einen zügigen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien. Größere Anstrengungen statt drohender Rückschritte müsse es zudem bei der Unterstützung besonders betroffener Länder bei Klimaanpassung und einem Ausgleich für klimabedingte Schäden geben. "Die Abkehr von den Fossilen und die Bereitstellung von Geldern", müssten in Bonn die zentralen Prioritäten sein, verlangte der Umweltverband WWF.
Zu den UN-Verhandlungen werden bis zum 18. Juni mehrere tausend Delegierte von Regierungen sowie aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft der UN-Mitgliedsstaaten in Bonn erwartet. Teilnehmen wollten auch die Umwelt- und Klimaschutzminister der Türkei und Australiens. Die Bundesregierung wird vor Ort durch Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth vertreten. Die US-Regierung ist nach dem von Präsident Donald Trump angeordneten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen nicht dabei.
O.Hansen--CPN