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Mehrheit für Kennzeichnung von mit neuer Gentechnik hergestellten Lebensmitteln
Eine große Mehrheit der Befragten hat sich in einer Umfrage dafür ausgesprochen, dass mithilfe neuer Gentechnik hergestellte Lebensmittel geprüft und gekennzeichnet werden müssen. So äußerten sich nach Angaben vom Montag 96 Prozent der Teilnehmenden einer repräsentativen Erhebung der Verbraucherorganisation Foodwatch. 92 Prozent sind weiter der Meinung, dass gentechnisch veränderte Nahrungsmittel gekennzeichnet werden müssen – unabhängig davon, ob neue Verfahren oder klassische Gentechnik angewendet wurde.
Laut Umfrage wünschen sich auch 94 Prozent der befragten FDP-Anhängerinnen und -Anhänger eine Risikoprüfung sowie 85 Prozent eine Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Für eine Verschärfung des Gentechnik-Rechts sprach sich insgesamt ebenfalls eine Mehrheit aus: 87 Prozent der Befragten befürworten eine Kennzeichnung von Tierprodukten, bei denen die Tiere mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden. Diese müssen aktuell noch nicht gekennzeichnet werden.
Die Organisation bezeichnete die Ergebnisse als deutliches Signal an Bundesernährungsminister Cem Özdemir (Grüne), sich auf EU-Ebene für eine lückenlose Gentechnik-Kennzeichnung einzusetzen. "Die Bürger:innen wollen wissen, was sie essen: Eine überwältigende Mehrheit sagt klar Nein zu Gentechnik ohne Kennzeichnung und Sicherheitsprüfung", erklärte Manuel Wiemann von Foodwatch. Özdemir dürfe sich nicht den Interessen der Agrarlobby beugen, sondern müsse sich in Brüssel für Umwelt- und Verbraucherschutz starkmachen.
Von der Lockerung des Gentechnikrechts profitierten große Agrarkonzerne. "Verlierer sind die biologische Vielfalt, Verbraucher:innen und Bäuer:innen", ergänzte Wiemann. Großkonzerne könnten die neue Gentechnik nutzen, um Saatgut über Patente zu kontrollieren und die landwirtschaftlichen Betriebe von ihnen abhängig zu machen.
Die EU-Kommission hatte erst kürzlich Lockerungen für den Einsatz sogenannter Neuer Genomischer Verfahren (NGT) in der Landwirtschaft vorgeschlagen. So soll etwa die Kennzeichnungspflicht für genetisch veränderte Pflanzen wegfallen, wenn diese auch durch eine natürliche Kreuzung hätten entstehen können. Für potenziell im Kampf für mehr Umwelt- und Klimaschutz nützliche NGT-Pflanzen könnten die Zulassungsverfahren vereinfacht werden.
Die Bundesregierung ist in ihrer Haltung zum Vorstoß der EU-Kommission noch uneins: Die FDP - und hier beispielsweise Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger - befürwortet ihn, die Grünen lehnen ihn eher ab.
Das Institut Forsa befragte für die Erhebung zwischen dem 8. und 13. September 1003 hierzulande lebende deutschsprachige Menschen ab 18 Jahre.
J.Bondarev--CPN