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Nach Anschlag in Berlin: Doppelt so viele Polizisten bei CSD in Hamburg
Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag in Berlin verschärft die Hamburger Polizei vor der dortigen Großdemonstration zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag ihre Sicherheitsmaßnahmen drastisch. "Wir werden mit rund doppelt so viel Kräften wie beim letzten Mal vor Ort sein", sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel am Mittwoch im Deutschlandfunk. Als "Lehre aus Berlin" würden die Beamten zudem verstärkt das Umfeld der eigentlichen Veranstaltung kontrollieren.
Am Samstagabend war ein 21-Jähriger mit einem Kleintransporter nahe der Abschlussfeier der CSD-Demonstration in Menschen gefahren und hatte weitere mutmaßlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der Anschlag ereignete sich im Tiergarten außerhalb der eigentlichen Veranstaltungszone in einem Bereich, in dem Besucher zur CSD-Party gingen oder diese verließen.
"Das bereitet uns Sorgen", räumte Schnabel ein. Für die eigentlichen Veranstaltungen gälten ohnehin bereits Sicherheitskonzepte, in Berlin aber sei das Fahrzeug "im Umfeld" in die Menge gefahren. In Hamburg werde die Polizei verstärkt mit uniformierten und zivilen Kräften auch diesen Bereich abdecken. Dazu komme noch eine "Luftkomponente".
Dem Polizeipräsidenten zufolge werden die Sicherheitskonzepte aber auch insgesamt "intensiv überarbeitet und nachgeschärft". Das gelte in Zusammenarbeit mit den Veranstaltern etwa für das Straßenfest im Innenstadtbereich, das ebenfalls Teil der Hamburger Pride Week ist.
Die jährliche CSD-Demonstration in Hamburg gehört mit regelmäßig rund 250.000 Besuchern zu den größten in Deutschland. Sie führt am Samstag durch die Innenstadt. Die Organisatoren riefen am Mittwoch die "gesamte Stadt" zur Teilnahme auf. Es gehe um ein "Jetzt erst recht".
"Der Anschlag in Berlin macht auf erschütternde Weise deutlich, wie weit wir von einer Zukunft entfernt sind, in der queere Menschen selbstverständlich sicher leben können", erklärte der Verein Hamburg Pride in der Hansestadt Er befinde sich "im ständigem Austausch" mit der Polizei. "Die Sicherheitsbehörden tun alles, um den CSD und die Demo am Samstag zu schützen." Die Zahl der Einsatzkräfte werde erhöht.
Nach Vereinsangaben meldete sich eine Rekordzahl von 120 Gruppen zur Demo an. Als Teilnehmerinnen kündigten haben sich demnach unter anderem auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) an. Konkrete Gefährdungshinweise lägen nicht vor, betonten die Organisatoren von Hamburg Pride wie auch Polizeipräsident Schnabel im Deutschlandfunk.
Der Anschlag beim Berlin CSD war nach Ermittlerangaben mutmaßlich islamistisch. Der auf der Flucht bei einem Polizeieinsatz erschossene Verdächtige war den Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder bekannt. Auf einem von ihm im Tatauto zurückgelassenen Mobiltelefon wurde ein Bekennervideo gefunden. Laut Ermittlern leistet darin ein Vermummter, bei dem es sich mutmaßlich um den Verdächtigen handelt, einen Treueschwur auf die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.
A.Agostinelli--CPN