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Bundeswehr plant Umbau von Beschaffungsamt: Neue Strukturen und Standorte
Die Bundeswehr hat einen groß angelegten Umbau ihres Beschaffungsamts für Rüstungsgüter auf den Weg gebracht. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) informierte am Mittwoch den Verteidigungsausschuss des Bundestags über die geplante "Reorganisation". Starre Behördenstrukturen sollen dabei aufgebrochen werden, um das Amt schneller und effizienter zu machen. Zudem soll es neue Standorte in Deutschland geben sowie eine Außenstelle in Brüssel, um internationale Rüstungsprojekte besser zu koordinieren.
Es müssten die Voraussetzung für schnellere Entscheidungen und einen weiter steigenden Umfang bei der Beschaffung von Rüstungsgütern geschaffen werden, sagte Pistorius. Deswegen müssten die Abläufe bei der Behörde angepasst werden. Die Reform solle zudem eine bessere Preiskontrolle bei Rüstungsvorhaben ermöglichen. Die Umsetzung soll ab Juli schrittweise erfolgen.
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BaainBw) ist der zentrale "Einkäufer" für Rüstungsgüter für die deutschen Streitkräfte. Hauptsitz ist Koblenz, die Behörde hat insgesamt 7900 Beschäftigte. Die Beschaffungsprozesse bei der Behörde waren immer wieder als langwierig und ineffizient kritisiert worden.
Statt traditioneller Abteilungen und Referate soll das BaainBw nun eine flexible Struktur erhalten, die sich an den Truppenbereichen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum ausrichtet. "Somit können Projektteams flexibel und agil zusammengestellt und Schwerpunkte schnell gebildet werden", erläuterte die Bundeswehr. Zudem soll es demnach "erweiterte Schnittstellen zur Industrie" geben, um Entwicklungen am Markt und beim technologischen Fortschritt besser im Blick zu haben.
Ein neuer Ableger in Bremen soll die Zusammenarbeit mit Industriepartnern und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Raumfahrt und Marine erleichtern, die dort wichtige Standorte haben. Ein bestehender Standort in Dresden wird um den Bereich Cyber- und Informationstechnik erweitert. Die Vertretung in Brüssel soll laut Bundeswehr auch "einen frühen Zugang zu EU-Rüstungsinitiativen" ermöglichen und "eine bessere Vernetzung mit Partnerstaaten".
Ein Anfang dieses Jahres im bayerischen Erding eröffnetes "Innovationszentrum" wird den Angaben zufolge durch eine weitere solche Stelle in Kiel ergänzt. Ziel ist es dabei, mit Industrie, Startups, Wissenschaft und Bundeswehr Projekte schnell auf den Weg zu bringen.
Intern wird der Umbau des Bundeswehr-Beschaffungsamtes als eine der größten technischen Behörden in Europa als Revolution gesehen. Wichtiges Ziel ist es für das Verteidigungsministerium, die bisherigen Mitarbeiter dabei auch mitzunehmen. Sie wurden laut Pistorius im Vorfeld eingebunden und haben selbst 600 Reformvorschläge eingereicht.
Pistorius betonte am Mittwoch, die Bundeswehr werde bei der Behörde "mit Sicherheit keine Stellen abbauen". Inwieweit zusätzliche Stellen nötig seien, müsse sich zeigen. Derzeit gebe es noch "eine große Anzahl von unbesetzten Stellen" in der Hauptstelle in Koblenz.
S.F.Lacroix--CPN