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"Wir kommen nicht über die Runden": Beamte protestieren in Ankara für höhere Löhne
In der Türkei sind am Mittwoch hunderte wütende Beamte für höhere Löhne auf die Straße gegangen. Rund 800 Beamte des Gewerkschaftsbunds Kesk, in dem Gewerkschaften für den öffentlichen Dienst zusammengeschlossen sind, beteiligten sich in der Hauptstadt Ankara an einem Marsch zum Arbeitsministerium. Einige hielten Banner und Plakate hoch, auf denen sie eine sofortige Lohnerhöhung forderten. Die Menschen in der Türkei leiden seit Jahren unter steigenden Preisen und einer Inflation im zweistelligen Bereich.
Anfang des Jahres waren die Löhne im öffentlichen Dienst um 18,6 Prozent angehoben worden. Die Gewerkschaften bezeichneten dies jedoch als unzureichend. Die meisten Beschäftigten im öffentlichen Dienst leben nach Angaben von Kesk unterhalb der Armutsgrenze. Der Gewerkschaftsbund fordert eine weitere Erhöhung um 20 Prozent der Gehälter.
Seit dem 1. Januar beträgt der Mindestlohn für Beamte einschließlich Familienzulagen 61.890 türkische Lira (rund 1230 Euro). Gleichzeitig ist die Armutsgrenze in der Türkei – also der Betrag, der zur Deckung der Grundbedürfnisse einer Familie dieser Größe erforderlich ist – auf 98.000 Lira (1950 Euro) gestiegen. Die Inflationsrate für Lebensmittel liegt demnach bei 43 Prozent.
"Die Mieterhöhungen sind fast dreimal so hoch wie die Lohnerhöhungen", beklagte die Kesk-Ko-Vorsitzende Ayfer Kocak vor Demonstranten vor dem Arbeitsministerium. Dies bedeute, "dass unsere Gehälter nicht einmal ausreichen, um die Mieterhöhungen zu decken." Kocak fügte hinzu: "Wir sind mit zunehmender Armut und Unsicherheit konfrontiert".
Die jährliche Inflationsrate der Türkei ist offiziellen Angaben zufolge im Dezember auf 30,89 Prozent gesunken. Im Vorjahr betrug sie noch 44,38 Prozent. Ökonomen und Gewerkschaften gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl weiterhin deutlich höher ist.
Die Regierung "verdammt Beamte dazu, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben, weil sie sich auf irreführende Daten der offiziellen Statistikbehörde Tüik verlässt", erklärte Tülay Yildirim, Lehrerin und Leiterin einer örtlichen Lehrergewerkschaft, der Nachrichtenagentur AFP.
"Wir Arbeitnehmer wollen, dass unsere Stimmen gehört werden und deutlich machen, dass wir nicht mehr über die Runden kommen und unseren gerechten Anteil an diesem (staatlichen) Haushalt erhalten müssen, der durch die Steuern aller Bürger finanziert wird", fügte sie hinzu.
"Hier sind nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Rentner", sagte Osman Seheri, Vorsitzender einer örtlichen Zweigstelle der Gewerkschaft für kommunale Arbeitnehmer Tümbelsen. "Die Lohnerhöhung liegt unterhalb der Armutsgrenze. Wir können uns nicht einmal Kleidung für die Arbeit leisten, geschweige denn Anzug und Krawatte. Mit solchen Löhnen ist es unmöglich, in einer Großstadt zu leben."
U.Ndiaye--CPN