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Langzeitstudie: Aggression in deutschem Straßenverkehr nimmt zu
Die Aggression im deutschen Straßenverkehr hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus einer am Montag in Berlin vorgestellten Langzeitstudie der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Demnach verschlechterten sich beinahe alle erhobenen Werte zur Messung von aggressivem Verhalten. Der Trend halte bereits seit etwa zehn Jahren an.
"Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert", erklärte die Leiterin der GDV-Unfallforschung, Kirstin Zeidler, zu den Ergebnissen. 47 Prozent der Autofahrer drängelten den Daten zufolge, wenn der Verkehr ihnen zu langsam erschien. 32 Prozent scherten nach dem Überholen so dicht ein, dass andere Fahrzeuge bremsen mussten.
Besonders die Selbstwahrnehmung lässt laut den Studienergebnissen zu wünschen übrig. So gaben 92 Prozent aller Studienteilnehmer von sich an, Radfahrer besonders vorsichtig zu überholen. Gleichzeitig gaben 86 Prozent an, zu enge Überholmanöver bei anderen Fahrern zu beobachten.
Die permanente Erreichbarkeit und Hektik im Leben sorge für zunehmenden Druck und eine kürzere Zündschnur bei den Verkehrsteilnehmern, erklärte Zeidler. So beobachtete der GDV auch eine bedenkliche Zunahme der Smartphonenutzung. Jeder vierte Fahrer schrieb ab und an Nachrichten, jeder fünfte nutzte soziale Medien während der Fahrt. "Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen", beurteilte Zeidler die Entwicklung.
Das zunehmend aggressive Verhalten betrifft neben Autofahrern allerdings auch Radfahrer. 43 Prozent von ihnen erzwangen zumindest hin und wieder die Vorfahrt, fast jeder zweite überholte Autos auch links oder schlängelte sich durch den Verkehr.
Laut der GDV-Unfallforschung braucht es mehr Sicherheitsmaßnahmen und Konzepte gegen aggressives Verhalten im stetig dichter werdenden Verkehr. Unter den Befragten seien nur wenige mit Polizeikontrollen konfrontiert gewesen, auch das Strafmaß werde als mild empfunden. Der Verband fordert daher schärfere Sanktionen und Kontrollen.
Der GDV erhob mit der Umfrage zudem die Meinung der Befragten zu gesetzlichen Maßnahmen. Demnach befürworteten 74 Prozent eine Null-Promille-Grenze, 72 Prozent unterstützten eine 1,1-Promille-Grenze für Radfahrer. 60 Prozent sprachen sich für eine Tempobegrenzung von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen aus, 53 Prozent befürworteten 80 Stundenkilometer auf Landstraßen, 43 Prozent Tempo 30 in der Stadt.
P.Schmidt--CPN