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Studie: Bessere Vereinbarkeit pflegender Angehöriger mit Erwerbsarbeit nötig
Die wachsende Zahl pflegender Angehöriger angesichts der alternden Gesellschaft dürfte dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren immer mehr Arbeitskräte entziehen. In einer am Dienstag vorgestellten Analyse fordert die Bertelsmann Stiftung daher eine bessere Vereinbarkeit pflegender Angehöriger mit dem Job - andernfalls könnten 2045 über 200.000 Stellen gefährdet sein.
Nach den Berechnungen der Stiftung gemeinsam mit der Prognos AG werden 2045 voraussichtlich rund 13,3 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter ein Familienmitglied pflegen. Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen waren es 2023 noch 8,7 Prozent. Viele Menschen reduzieren ihre Arbeitszeit oder unterbrechen ihre Beschäftigung, wenn sie Angehörige pflegen.
Für das laufende Jahr schätzt die Stiftung den Verlust der Arbeitskraft in Modellrechnungen auf rund 184.000 Vollzeitäquivalente. Bis 2045 könnte dieser auf 229.000 Vollzeitäquivalente steigen. Rund drei Viertel dieses Verlusts entfallen auf Frauen. Im Schnitt investieren sie sechs Stunden mehr pro Woche in die Pflege als Männer.
Eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf würde also nicht nur zur Entlastung dieser sogenannten informell Pflegenden beitragen, sondern auch für die Sicherung von Erwerbspotenzialen und die "Verringerung geschlechtsspezifischer finanzieller und beruflicher Nachteile" sorgen, heißt es in der Studie. Neben besseren Rahmenbedingungen in Betrieben müssten auch Anreize geschaffen werden, dass mehr Männer die Pflegearbeit übernehmen.
Künftige Reformen, etwa das im Koalitionsvertrag vereinbarte Familienpflegegeld müssten "klar auf die partnerschaftliche Verteilung von Pflegeverantwortung ausgerichtet sein", forderte die Stiftung. Die Politik müsse außerdem den Zugang zu professioneller Pflege wie Tages- und Kurzzeitpflege erleichtern.
Derzeit sind in Deutschland rund sechs Millionen Menschen pflegebedürftig. Drei Viertel von ihnen werden zu Hause von Angehörigen betreut. Auf eine Stärkung der häuslichen Pflege zielt auch die Pflegereform ab, die für kommendes Jahr geplant ist. Eine Fachkommission soll dafür Maßnahmen erarbeiten.
A.Mykhailo--CPN