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IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland und warnt vor "zweigeteiltem" Ausblick für Welt
Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt seine Wirtschaftsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft hoch. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent, wie aus dem am Dienstag beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick hervorging. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Auch seine Erwartung für das globale Wirtschaftsleistung hob der IWF leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an - warnte aber vor Abwärtsrisiken.
Im kommenden Jahr erwartet der IWF in der Bundesrepublik ein Wachstum von 1,1 Prozent, das ist ein Plus von 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zur Juli-Prognose.
Der IWF rechnet nun damit, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum etwas weniger verlangsamt als zuvor erwartet, da die Industrieländer sich angesichts der seit dem Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise widerstandsfähig gezeigt hätten. Während allerdings viele dieser Staaten von steigenden Investitionen in die Künstliche Intelligenz (KI) profitiert hätten, stünden ärmere Länder, die aus diesem Boom keinen Nutzen zögen, angesichts der Energiepreise vor schweren Entscheidungen, erklärte der IWF. Daher sprach er in seinem Bericht von einem "zweigeteilten" Ausblick.
"Die Weltwirtschaft hat sich als widerstandsfähig erwiesen, doch diese Widerstandsfähigkeit steht unter Druck, und die Risiken für das Wachstum sind eher nach unten gerichtet", gab IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro an. Der Krieg im Iran zum einen und der KI-Boom zum anderen hätten zu einer "fragmentierten" Weltwirtschaft geführt, erklärte der IWF in dem Bericht.
Ein länger andauernder Krieg und anhaltende geopolitische Spannungen könnten "den Inflationsdruck wiederbeleben", die Haushalts- und Außenhandelslage belasten und "energieimportierende sowie einkommensschwache Länder am härtesten treffen", fuhr der IWF fort. Zugleich "könnte der derzeitige technologische Rückenwind abrupt zum Erliegen kommen, wenn die Erwartungen hinsichtlich KI-bezogener Gewinne und Produktivitätssteigerungen neu bewertet" würden. Das könne zu einem Rückgang von Investitionen führen und die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen.
Die vom IWF prognostizierte Zweiteilung zeigte sich deutlich in den Ausblicken für die einzelnen Regionen und Länder: Für Saudi-Arabien etwa senkte der Fonds die Wachstumsprognose stark und geht nun davon aus, dass das BIP 2026 um 3,3 Prozent schrumpft. Die Region dürfte sich nach einem Ende des Iran-Kriegs schnell erholen, es sei aber unsicher, wann es dazu komme, erklärte der IWF.
Etwas weniger Wirtschaftswachstum sieht der IWF für China voraus und erwartet, dass das chinesische BIP wegen der schwachen Inlandsnachfrage im laufenden Jahr nur um 4,5 Prozent wächst. Noch im vergangenen Jahr war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 5,0 Prozent gewachsen.
In der Eurozone wächst die Wirtschaftsleistung dem IWF-Ausblick zufolge in 2026 um 1,1 Prozent und damit um 0,2 Prozent mehr als zuvor erwartet.
IWF-Chefökonomin Tenreyro warnte, dass angesichts von Abwärtsrisiken "dringende Maßnahmen" seitens aller Länder erforderlich seien. Sie forderte die Regierungen auf, in der Finanzpolitik zur Entlastung der Bevölkerung von den hohen Energiepreisen und sonstigen Kosten ausschließlich vorübergehende und gezielte Maßnahmen zu ergreifen.
Parallel dazu sollte "die Geldpolitik weiterhin fest auf Preisstabilität ausgerichtet bleiben", fuhr sie fort und deutete so an, dass Zinserhöhungen zur Eindämmung der Inflation angemessen seien. Der IWF erwartet für 2026, dass der weltweite Anstieg der Verbraucherpreise auf 4,7 Prozent klettert.
"Die Wirtschaft hat sich widerstandsfähig gezeigt, aber diese Widerstandsfähigkeit kommt an ihre Grenzen", führte Tenreyro aus. Die Aufgabe bestehe nun darin, "von der Bewältigung der Krise zum Wiederaufbau überzugehen".
P.Schmidt--CPN