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Umfrage: Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in Kliniken großes Problem
Viele Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus erleben Machtmissbrauch durch Vorgesetzte. In einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Befragung des Marburger Bunds gab knapp die Hälfte der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch durch andere Ärzte erlebt zu haben. 13 Prozent berichteten außerdem von sexueller Belästigung.
Es handelt sich dem Marburger Bund zufolge um die bundesweit bisher größte Befragung dieser Art. Im Februar und März hätten daran 9073 angestellte Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, die zu 90 Prozent in Krankenhäusern arbeiten. 69 Prozent von ihnen seien weiblich, 53 Prozent 40 Jahre oder jünger.
Machtmissbrauch äußert sich demnach am häufigsten in einem respektlosen und herablassenden Umgangston. Am zweithäufigsten wurde von einem grundlosen Infragestellen der fachlichen Kompetenz berichtet, am dritthäufigsten von Mobbing oder öffentlicher Bloßstellung.
"Weit überwiegend" geht der Machtmissbrauch der Mitteilung zufolge von männlichen ärztlichen Vorgesetzten aus. Drei Viertel der Betroffenen hätten ihn nicht gemeldet, weil sie keine wirksamen Konsequenzen erwarteten, berufliche Nachteile befürchteten oder keinen vertraulichen Meldeweg sähen.
"Die Krankenhäuser müssen sich diesen Strukturproblemen stellen, klare Leitbilder entwickeln, verbindliche Richtlinien vorgeben und Grenzüberschreitungen konsequent ahnden", forderte die erste Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna.
Auch sexuelle Belästigung wird den Angaben zufolge mit 16 Prozent sehr selten gemeldet. Das Vertrauen in Konsequenzen sei gering. Drei Viertel der von sexueller Belästigung Betroffenen gaben an, dass sie solche Belästigung in den vergangenen zwölf Monaten mehrmals erlebt hätten. Am häufigsten wurden sexualbezogene Kommentare oder abwertende Sprüche sowie unerwünschte Gespräche mit sexuellem Inhalt genannt. Viele berichteten auch von unerwünschter körperlicher Nähe.
Sexuelle Belästigung gegenüber ärztlichen Beschäftigten tritt der Mitteilung zufolge "häufig im Kontext bestehender Machtverhältnisse auf, in denen Grenzüberschreitungen erleichtert und Gegenwehr erschwert" werden.
Der Marburger Bund sieht dringenden Handlungsbedarf. "Betriebsräte, Beschwerdestellen und Geschäftsführungen müssen bei Grenzüberschreitungen eng zusammenarbeiten und präventiv handeln", erklärte der zweite Vorsitzende Andreas Botzlar. "Es kann nicht sein, dass sexuelle Belästigung folgenlos bleibt oder sogar dazu führt, dass den Betroffenen die Kündigung nahegelegt wird".
Y.Jeong--CPN