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EU und Indien wollen Handelsabkommen unterzeichnen
EU und Indien schließen Gespräche über Freihandelsabkommen ab
Die EU und Indien rücken wirtschaftlich enger zusammen. Brüssel und die Regierung in Neu-Delhi schlossen am Montag ihre Gespräche über ein Freihandelsabkommen erfolgreich ab. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Regierungschef Narendra Modi wollen das Abkommen am Dienstag in Neu Delhi unterzeichnen.
Die Verhandlungen seien beendet und beide Seiten bereit, die Einigung am Dienstag zu verkünden, sagte der indische Handels-Staatsekretär Rajesh Agrawal am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Indien und die EU hätten sich "für strategische Partnerschaft, Dialog und Offenheit" entschieden, schrieb EU-Kommissionschefin von der Leyen am Montag in Online-Netzwerken und fügte an: "Wir zeigen einer von Teilungen geprägten Welt, dass ein anderer Weg möglich ist."
Der indische Handelsminister Piyush Goyal hatte die Vereinbarung kürzlich als "Mutter aller Abkommen" bezeichnet, von der Leyen sprach in der vergangenen Woche von einem "historischen Handelsabkommen".
Die deutsche Wirtschaft erhofft sich dadurch Exportgewinne. Indien erhebt derzeit hohe Zölle auf eine Reihe von Produkten, darunter Autos. Diese sollen mit dem Abkommen nicht vollständig wegfallen, aber deutlich sinken. Umgekehrt könnte Indien mehr Stahl, Medikamente und Textilprodukte in die EU liefern. Das Abkommen soll zudem Patenthürden abschaffen.
Auch die deutsche Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie verspricht sich erhebliches Wachstumspotenzial vom indischen Markt. Der Subkontinent sei ein "wichtiger und dynamischer Zukunftsmarkt" mit hohen Potenzialen bei Entwicklung und Fertigung, erklärte Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI).
Am Sonntag hatte EU-Kommissionschefin von der Leyen gesagt, die EU werde mit dem Abkommen den "umfassendsten Zugang" erhalten, den jemals ein Handelspartner zum "traditionell geschützten indischen Markt" erhalten habe. Sie erwarte eine Verdoppelung der Ausfuhren aus der EU nach Indien.
Neben dem Freihandelsabkommen planten Indien und die EU auch den Abschluss eines Abkommens zur erleichterten regulären Einwanderung von Saisonarbeitern, Studenten, Forschern und hochqualifizierten Fachkräften - sowie eines Sicherheits- und Verteidigungsabkommens.
Indien und die EU hatten seit 2007 über ein Freihandelsabkommen verhandelt. Indien ist mit rund 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde und dürfte Schätzungen zufolge in diesem Jahr zur viertgrößten Volkswirtschaft aufsteigen - die EU will sich einen Zugang zu dem Land sichern. Umgekehrt ist die EU bereits Indiens größter Handelspartner.
Das jährliche Handelsvolumen zwischen beiden Wirtschaftsräumen betrug laut den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2024 180 Milliarden Euro, allein im vergangenen Jahrzehnt war es um 90 Prozent gestiegen.
Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, dauerten die Gespräche bis Montagabend (Ortszeit) an. Zu den letzten Streitpunkten gehörten demnach die Auswirkungen der CO2-Einfuhrgebühr der EU (CBAM) auf die Stahlindustrie.
Bei dem Gipfeltreffen am Dienstag zwischen von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und Modi soll es außerdem um eine engere Zusammenarbeit in der Cybersicherheit und der Terrorismus-Abwehr gehen.
Die EU bemüht sich um alternative Handelspartner - nicht zuletzt, seit US-Präsident Donald Trump mit seiner Zollpolitik für Probleme in der europäischen Exportwirtschaft sorgt. Indien, das jahrzehntelang insbesondere bei der Lieferung von Rüstungsgütern stark von Russland abhängig war, hatte seine Einfuhren in den vergangenen Jahren diversifiziert und die heimische Produktion ausgebaut.
Ng.A.Adebayo--CPN