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Inflationsrate in der Türkei erreicht fast 49 Prozent
Die zuletzt bereits massiv gestiegene Inflationsrate in der Türkei ist im Januar weiter in die Höhe geschnellt. Wie das türkische Statistikamt am Donnerstag mitteilte, lagen die Verbraucherpreise um 48,7 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Die Inflation erreichte damit den höchsten Wert seit April 2002. Im Dezember 2021 hatte sie bereits bei 36,1 Prozent und damit dem höchsten Stand seit Oktober 2002 gelegen.
Die neuen Zahlen wurden nur wenige Tage nach der Entlassung des Leiters der nationalen Statistikbehörde durch den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan veröffentlicht. Erdogan, ein erklärter Gegner hoher Zinsen, hatte inmitten der Debatte über den rasanten Anstieg der Inflationsrate am Samstag den bisherigen Behördenchef Sait Erdal Dincer durch den früheren Vize-Chef der türkischen Bankenaufsicht, Erhan Cetinkaya, ersetzt.
Erdogan nannte keinen Grund für die Entlassung Dincers. Dieser war aber Anfang Januar nach der Veröffentlichung der Inflationsrate für Dezember in die Kritik geraten. Erdogan warf Dincer Medienberichten zufolge vor, das Ausmaß der wirtschaftlichen Krise in der Türkei übertrieben dargestellt zu haben. Die Opposition zweifelte die offiziellen Zahlen zur Inflation indes an und mutmaßt, dass der tatsächliche Anstieg der Lebenshaltungskosten sogar mindestens doppelt so hoch sei.
Die Kaufkraft der Türkinnen und Türken ist in jedem Fall deutlich geschwächt und die Inflation mittlerweile eines der wichtigsten Themen der türkischen Politik geworden. Staatspräsident Erdogan verfolgt dabei eine Strategie, die der gängigen Ökonomenlehre widerspricht, denn er lehnt eine Erhöhung der Leitzinsen zur Eindämmung der Inflation strikt ab. Erdogan möchte hingegen über niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln - damit allerdings erhöht sich die Geldmenge im Umlauf weiter.
A.Leibowitz--CPN