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Klöckner weist zu Jahrestag des Mauerbaus auf Spaltungen zwischen Ost und West hin
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer auf fortbestehende Spaltungen zwischen Ost und West hingewiesen. "Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen", sagte Klöckner am Donnerstag in ihrer Ansprache bei der Gedenkveranstaltung in Berlin. Selbst bei denen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden, wirke sie nach.
"Wir nehmen es kaum noch wahr, wenn wir von Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, von Thüringen nach Hessen, von Bayern nach Sachsen", sagte Klöckner. Dennoch spiele "Ost" und "West" noch eine Rolle. "Politische Fragen werden auf beiden Seiten manchmal sehr unterschiedlich beantwortet", sagte die Bundestagspräsidentin mit Blick auf Debatten über Corona-Schutzmaßnahmen, Migration oder den Umgang mit Russland.
Dies hänge auch mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen zusammen. "Für Westdeutsche änderte sich mit der Einheit nicht viel, für Ostdeutsche änderte sich mit der Einheit alles." Wer dies verstehen wolle, "muss bereit sein zuzuhören", mahnte Klöckner. "1989 war es Mut, der die Mauer zum Einsturz brachte. Auch heute ist Mut gefragt. Der Mut, aufeinander zuzugehen", sagte sie weiter.
"Eine Mauer durch eine Stadt zu ziehen, ist ein Akt politischer Gewalt", sagte Klöckner. "Die DDR war kein Friedensstaat - sie kämpfte gegen diejenigen, die eine eigene Meinung vertraten, ihre Freiheit leben und sich nicht unterordnen wollten." Umso größer sei das Wunder gewesen, als die Mauer 1989 fiel. "Es war die erste friedliche Revolution, die in Deutschland geglückt ist", sagte Klöckner.
Die Bundestagspräsidentin rief dazu auf, an die Freiheitsideen der Menschen im Jahr 1989 anzuknüpfen. Heute seien diese erneut in Gefahr, diesmal "durch Gleichgültigkeit und Desinteresse", sagte sie. "Freiheit können wir nicht verwalten. Wir müssen sie mit Leben und mit Vertrauen füllen", betonte Klöckner. "Die Entscheidung für die Freiheit muss jede Generation – gerade im Angesicht unserer Geschichte – neu treffen."
Mit dem Bau der Berliner Mauer war am 13. August 1961 begonnen worden. Das Bauwerk und weitere Sperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze trennten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR 28 Jahre lang. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, ein knappes Jahr später folgte die Wiedervereinigung.
L.K.Baumgartner--CPN