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Internationale Referenzstudie: Entwicklung des Erdklimas immer besorgniserregender
Die Folgen der Erderwärmung werden laut einer Studie immer besorgniserregender. Mehr als 70 Wissenschaftler aus 17 Ländern, darunter Experten des Weltklimarats IPCC, erklärten am Donnerstag, die Erde sei "ein Patient, der immer stärker beunruhigende Symptome zeige". Zusätzlich werde das Klima heute "durch geopolitische Entscheidungen geschwächt oder bedroht", erklärte die französische Klima-Expertin und frühere Leiterin einer IPCC-Arbeitsgruppe, Valérie Masson-Delmotte.
Für die internationale Referenzstudie, die im Fachblatt "Earth System Science Data" erschien, haben die mehr als 70 Klima-Experten zwölf Schlüsselindikatoren für den Klimawandel untersucht. 2025 war unser Planet demnach 1,39 Grad wärmer als in den als vorindustrieller Zeitraum bezeichneten Jahren 1850 bis 1900. 1,37 Grad dieser Erwärmung seien den Aktivitäten des Menschen zuzuschreiben, erklärten die Wissenschaftler.
Mit einem Temperaturanstieg von 0,27 Grad pro Jahrzehnt sei die durch den Menschen verursachte Erderwärmung mittlerweile "auf ihrem bislang höchsten Stand", hoben die Studienautoren hervor. Das Energie-Ungleichgewicht der Erde habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelt. Das heißt, die Erde absorbiert deutlich mehr Sonnenlicht als sie in den Weltraum reflektiert.
Ohne den Menschen wäre beides im Gleichgewicht, erklärte der Klimatologe Piers Forster von der britischen Universität Leeds. Das Ungleichgewicht nehme jedoch seit den 1970er Jahren zu und habe mittlerweile "ein Rekordniveau erreicht".
Der Studie zufolge gibt es Hinweise, dass der Ausstoß von klimaschädlichen CO2-Emissionen, die insbesondere durch die Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdöl entstehen, zurückgeht. Dies reicht den Autoren zufolge aber nicht aus, die Erderwärmung wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.
Ohne ein Zurückfahren der Emissionen werde die 1,5-Grad-Marke bereits um das Jahr 2030 erreicht, schätzen die Experten. "Angesichts dessen, dass die Treibhausgase weiter zunehmen, scheint die Eindämmung der Klimaerwärmung unterhalb dieser Schwelle nun unmöglich", erklärte der Klimatologe Aurélien Ribes vom französischen Wetterdienst Météo-France.
Eine Auswirkung der Erderwärmung ist der Anstieg der Meeresspiegel um 23 Zentimeter zwischen 1901 und 2025. Der Rhythmus beschleunigte sich auf 3,84 Millimeter jährlich, wie es in der Studie heißt. Die Zahl der Hitzetage pro Jahr hat sich seit 1991 verdreifacht auf 65 im Jahr 2025.
Die Studie stellt der internationalen Gemeinschaft die neuesten Klima-Befunde zur Verfügung. Die Autoren verwenden die Methodologie des IPCC, der erst 2028 seinen nächsten umfassenden Bericht vorlegt. Dazu werteten sie unter anderem Satellitenbilder und eine Reihe von Messdaten, insbesondere von Wetterstationen, Schiffen und Wetterballons aus.
Wegen Mittelkürzungen sind allerdings viele der genutzten Satelliten- und Erdbeobachtungsprogramme in Gefahr, insbesondere in den USA. Die Messungen auf See würden weitgehend "von einem einzigen Land finanziert und dieses hat jüngst seine Absicht verkündet, damit aufzuhören", erklärte Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage mit Blick auf die Vereinigten Staaten. Die Messungen seien aber "absolut unentbehrlich", um zu erforschen, wie die Weltmeere Wärme absorbieren und wie dies das Wetter und die Meeresströmungen beeinflusst.
Leider kürzten auch andere Länder ihre Mittel für die Klimaforschung, kritisierte Burgess. Der Studie zufolge bekommt etwa die Weltmeteorologieorganisation (WMO) weniger Geld, das Budget des Weltklimaforschungsprogramms (WCRP) wurde halbiert und das Globale Klimabeobachtungssystem (GCOS) sei "ebenfalls bedroht", warnten die Studienautoren.
L.K.Baumgartner--CPN