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Klimawandel macht Gletscher instabil: Deutlich mehr Eisberge vor Grönland
Seit der Jahrtausendwende ist die Zahl von Eisbergen in der Framstraße östlich von Grönland wegen der Folgen der Klimaerwärmung deutlich gestiegen. Das ergaben Forschungen des Alfred-Wegener-Instituts (AWI), wie dieses am Mittwoch in Bremerhaven mitteilte. Demnach speist sich der zunehmende Strom an schwimmenden Eisbergen vor allem aus zwei Gletschern in Nordostgrönland, die etwa seit dem Jahr 2000 aufgrund steigender Temperaturen an Stabilität verloren und heutzutage schneller abbrechen.
Weitere zusätzliche Gletscher stammen nach Erkenntnissen der Forscher aus Teilen der russischen Arktis, eine Rolle spielt zudem das wegen des Klimawandels rückläufige und beweglichere Packeis. Eisberge bewegen sich dadurch heute schneller aus der Arktis in Richtung Nordatlantik. Das AWI sieht in der Entwicklung auch ein Risiko für die Schifffahrt, die wegen der zunehmenden Erschließung der Arktis zunimmt.
Mehr Eisberge bedeuteten "erhebliche Risiken" etwa für Kreuzfahrt- und Frachtschiffe, die heute immer zahlreicher im Eis oder an der Eiskante unterwegs seien, erklärte AWI-Meereisphysiker Thomas Krumpen. Gleiches gelte für Aktivitäten bei der Suche und Förderung von Erdöl und Erdgas.
Zugleich verändert der Trend bereits den Lebensraum am Meeresboden, weil die Eisberge Geröll mitführen und beim Schmelzen allmählich herabfallen lassen. Durch Tiefseefotos aus dem AWI-eigenen Langzeitobservatorium in der Framstraße konnten die Experten zeigen, dass sich dort statt einzelner Steine heute bereits größere Ansammlungen von herabgeregnetem Geröll befinden. Auf ihnen können sich etwa Schwämme und Anemonen ansiedeln.
An der in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten Untersuchung waren Experten verschiedener Disziplinen des AWI sowie der Woods Hole Oceanographic Institution in den USA beteiligt. Ausgewertet wurden Aufzeichnungen von Reisen des AWI-Forschungseisbrechers "Polarstern", weil die Zahl kleinerer Eisberge im Packeis auf Satellitenaufnahmen nur schwer zu bestimmen ist. Daneben wurden aber auch satellitengestützte Modelle zur Rekonstruktion von Eisbewegungen und Simulationen verwendet.
C.Smith--CPN