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Vorwurf von Verbindungen zur SS: Naturkosmetikhersteller Weleda beauftragt Gutachten
Nach Vorwürfen einer engen Verbindung zur SS hat der Naturkosmetikhersteller Weleda eine neue, unabhängige Studie zur Geschichte des Unternehmens während der Zeit des Nationalsozialismus in Auftrag gegeben. "Wir verurteilen die Gräueltaten des Nationalsozialismus aufs Schärfste. Faschismus, Antisemitismus, Rassismus oder rechtsextremes Gedankengut haben bei uns keinen Platz", erklärte Unternehmenschefin Tina Müller am Dienstag. "Deshalb setzen wir uns für eine lückenlose Aufarbeitung unserer Geschichte ein."
Der "Spiegel" hatte am Wochenende unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie der Historikerin Anne Sudrow im Auftrag der Gedenkstätte Dachau berichtet, Weleda habe dorthin eine Frostschutzcreme geliefert, die dort mutmaßlich für Menschenversuche eingesetzt worden sei. Demnach bezog das Unternehmen zudem Heilkräuter aus einer landwirtschaftlichen Anlage, die von der SS in Dachau nach biologisch-dynamischen Methoden betrieben worden sei. KZ-Häftlinge seien dort als Zwangsarbeiter eingesetzt worden.
Weleda erklärte am Dienstag, das Unternehmen habe bereits 2023 die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit einem wissenschaftlichen Gutachten zu Teilen der Unternehmensgeschichte während des Nationalsozialismus beauftragt. "Das 2024 fertiggestellte Gutachten war jedoch noch nicht auf eine Untersuchung sämtlicher Detailaspekte ausgerichtet."
Die Arbeit von Historikerin Sudrow "enthält unter anderem auch Details zu Verbindungen von Weleda in der damaligen Zeit, die in der bisherigen Forschung möglicherweise noch nicht vollständig beleuchtet wurden", erklärte das Unternehmen. Sudrow habe Zugang zu Archivalien von Weleda erhalten, unter anderem zu Verwaltungsratsprotokollen aus der NS-Zeit.
"All diese Arbeiten nehmen wir zum Anlass, unsere Unternehmensgeschichte im Detail mit einer großen unabhängigen Studie aufzuarbeiten", erkärte Weleda-Chefin Müller. Beauftragt wurde erneut die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte. Das Gutachten soll voraussichtlich Anfang 2027 veröffentlicht werden.
Hauptsitz von Weleda ist Arlesheim bei Basel in der Schweiz. Das Unternehmen war 1921 gegründet worden. Seitdem werden auch im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd Heil- und Körperpflegemittel produziert, heute eine deutsche Niederlassung von Weleda.
Laut "Spiegel" zeigt Historikerin Sudrow in ihrer Arbeit, dass es während des Nationalsozialismus generell enge Verbindungen zwischen der Anthroposophie-Szene in Deutschland, der biologisch-dynamischen Demeter-Landwirtschaft sowie der SS gegeben habe. In Dachau habe die SS-eigene Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung (DVA) eine "Plantage" betrieben, die der Erforschung und Anwendung biologisch-dynamischer Landwirtschaftsmethoden gedient habe.
Y.Tengku--CPN