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Französische Kommission fordert Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige
Eine parlamentarische Untersuchungskommission in Frankreich hat ein Verbot von Plattformen wie Tiktok und Instagram für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gefordert. Vor allem Tiktok, das Nutzern pausenlos Kurzvideos anbietet, sei ein "Meer schädlicher Inhalte", heißt es in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht der Kommission. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron tritt seit längerem für ein solches Verbot ein.
"Das Ergebnis ist ganz eindeutig: Tiktok gefährdet wissentlich die Gesundheit und das Leben der Nutzer", erklärte der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses Arthur Delaporte, der deswegen rechtliche Schritte gegen das Unternehmen eingeleitet hat. Tiktok liefere Kindern und Jugendlichen absichtlich "toxische, gefährliche und süchtig machende Inhalte". Ein "höllischer Algorithmus" diene dazu, "ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen (...) und sie auszunutzen, um damit Geld zu machen", betonte Delaporte.
Tiktok prangerte eine "falsche Darstellung" der Untersuchungskommission an und wies die Vorwürfe zurück.
Die Kommission war eingerichtet worden, um die psychischen Auswirkungen von Tiktok auf Minderjährige zu prüfen. Die Autoren bedauern, dass es bislang nur wenige wissenschaftlichen Studien dazu gebe. Es zeichne sich aber ab, dass die Auswirkungen "verheerend" seien.
Der Onlinedienst verstärke zum einen bestehende psychologische Probleme, indem er gefährdete Jugendliche mit Beiträgen zu Selbstverstümmelungen oder Essstörungen konfrontiere. Zum anderen könne er auch das Entstehen seelischer Probleme befördern und zu schädlichen Taten motivieren.
Der Untersuchungsbericht wirft Tiktok außerdem vor, Gewalt zu banalisieren und rassistische, antisemitische und sexistische Inhalte zu verbreiten. Das Nutzen von Tiktok führe häufig zu Schlafmangel, der wiederum Ängste, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen nach sich ziehe.
Die Abgeordneten fordern außerdem eine nächtliche Sperre für Onlinedienste für 15- bis 19-Jährige zwischen 22.00 und 8.00 Uhr. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag solle in Kürze auf den Weg gebracht werden. "Frankreich sollte mit gutem Beispiel vorangehen und könnte das erste europäische Land werden, das dies gesetzlich regelt", sagte die Anwältin Laure Boutron-Marmion. Sie vertritt einen Opferverband mehrerer Familien, die Tiktok vorwerfen, ihre Kinder in den Suizid getrieben zu haben.
Frankreich will im kommenden Jahr eine App testen, mit der das Alter von Nutzern besser geprüft werden kann. In der Theorie gelten für Online-Netzwerke bereits Altersbeschränkungen. Tiktok, Instagram, Snapchat und X etwa sind laut Nutzungsbedingungen in der EU ab 13 Jahren erlaubt, Youtube und Tumblr ab 16 Jahren. Nutzerinnen und Nutzer müssen bei ihrer Anmeldung aber lediglich ein Geburtsdatum angeben, eine tatsächliche Kontrolle gibt es nicht.
Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) will strengere Regeln für die Nutzung von Plattformen wie Tiktok und Instagram prüfen lassen. Eine Expertenkommission zu Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt soll demnächst ihre Arbeit aufnehmen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) zeigte sich ebenfalls offen für eine Altersgrenze für die Nutzung von sozialen Medien.
A.Leibowitz--CPN