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Ukraine: Russische Soldaten aus Tschernobyl abgezogen
Nach wochenlanger Besetzung haben die russischen Streitkräfte die Atomruine Tschernobyl verlassen, dabei nach ukrainischen Angaben aber Geiseln mitgenommen. "Es sind keine Außenstehenden mehr auf dem Gebiet des Atomkraftwerks Tschernobyl", teilte die für das Sperrgebiet im Norden der Ukraine zuständige ukrainische Behörde am Donnerstagabend auf Facebook mit. Später hieß es, die Russen hätten ukrainische Soldaten mitgenommen, die sie seit Kriegsbeginn als Geiseln gefangen hielten.
"Als sie von der Atomanlage Tschernobyl wegrannten, nahmen die russischen Besatzer Mitglieder der Nationalgarde mit, die sie seit dem 24. Februar als Geiseln gefangen gehalten hatten", teilte die ukrainische Atombehörde Energoatum im Messengerdienst Telegram unter Berufung auf Arbeiter in der Anlage mit. Um wieviele ukrainische Soldaten es sich handelte, war unklar.
Zuvor hatte die für das Sperrgebiet zuständige Behörde den Abzug der russischen Armee verkündet. Die Soldaten hätten "Ausrüstung und andere Wertgegenstände" aus der stillgelegten Atomanlage gestohlen. Ukrainische Spezialisten würden nun auf das Gelände geschickt, um es auf "potenzielle Sprengkörper" hin zu durchkämmen.
Laut Energoatom bewegten sich die russischen Soldaten "in zwei Zügen auf die ukrainische Grenze mit Belarus" zu. Es gebe zudem Hinweise, dass auch russische Soldaten, die die benachbarte Kleinstadt Slawutytsch besetzen, Richtung Belarus abzögen. Slawutytsch ist der Wohnort des Personals der Atomruine Tschernobyl.
Die russischen Streitkräfte hatten am 24. Februar, dem ersten Tag ihres Angriffs auf die Ukraine, die Kontrolle über die Atomruine übernommen. Seither war die Stromversorgung der Anlage mehrfach unterbrochen.
Im Atomkraftwerk Tschernobyl hatte sich 1986 das schlimmste Atomunglück der Geschichte ereignet. Hunderte Menschen starben, die Radioaktivität breitete sich über weite Teile Europas aus. Das Kraftwerk wurde stillgelegt, ein riesiger Schutzmantel soll den Austritt von Radioaktivität verhindern.
Y.Ponomarenko--CPN