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Deutschlands Wirtschaft tritt zu Jahresbeginn auf der Stelle
Deutschlands Wirtschaft hat im ersten Quartal stagniert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb im Vergleich zum Vorquartal unverändert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben nahmen demnach zu Jahresbeginn ab; positive Impulse seien dagegen von den Investitionen und den Exporten gekommen.
"Die Wirtschaft ist zum Glück glimpflich aus diesem Winter gekommen", kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben, die vorläufigen Zahlen des Statistikamtes. Zum Jahresende 2022 war das BIP noch gesunken, revidierten Angaben zufolge um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Der Konjunkturchef des Ifo-Instituts in München, Timo Wollmershäuser, nannte die Konjunktur am Freitag "gespalten". Auf der einen Seite zehre die hohe Inflation an der Kaufkraft der privaten Haushalte und lasse den Konsum schrumpfen. Die Industrie auf der anderen Seite profitiere von nachlassenden Lieferengpässen sowie von gesunkenen Energiepreisen und sei auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt.
Der Ausblick bleibt nach Ansicht vieler Experten dennoch gedämpft. Das in den vergangenen Monaten spürbar verbesserte Geschäftsklima der Unternehmen spreche zwar dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal von April bis Juni steigen werde, erläuterte Nils Jannsen vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Die Bäume wachsen für die deutsche Wirtschaft aber nicht in den Himmel." Der Kaufkraftentzug durch die höheren Energiepreise belaste weiter die Konjunktur.
Auch Ifo-Experte Wollmershäuser erklärte: "Die Konsumkonjunktur wird sich nur langsam berappeln." Zwar beschleunige sich der Anstieg der Einkommen der privaten Haushalte, weil Tariflöhne angehoben und Inflationsprämien ausgezahlt werden. "Aber die Inflation dürfte in den kommenden Monaten hartnäckig hoch bleiben."
Und in der Bauwirtschaft dürfte sich am Abwärtstrend, der vor allem durch den Wohnungsbau getrieben werde, im weiteren Verlauf des Jahres nichts ändern, erwartet Wollmershäuser. Hohe Finanzierungs- und Baukosten hätten die Neuaufträge einbrechen und die Stornierungen bestehender Aufträge zunehmen lassen. Das Geschäftsklima unter den Bauunternehmern sei so schlecht wie zuletzt nach der Weltfinanzkrise im Jahr 2010.
DIHK-Geschäftsführer Wansleben rechnet ebenso mit weiter "trüben Aussichten". Er nannte hohe Energiepreise, steigende Zinsen, eine schwächelnde weltweite Nachfrage, Fachkräftemangel, langwierige Planungsverfahren - und den Krieg in der Ukraine sowie darüber hinausgehende geopolitische Spannungen als Gründe. Der Unternehmensvertreter forderte "dringend einen Innovationsschub".
IfW-Konjunkturchef Jannsen rechnet damit, dass das BIP im weiteren Verlauf "nur verhalten zunehmen und im Jahresergebnis nur ein schmales Plus herauskommen" wird. Auch mittelfristig sind die Aussichten für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands seiner Ansicht nach "düster" - etwa wegen des demographischen Wandels und der höheren Energiepreise.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte am Mittwoch seine Wachstumsprognose für dieses Jahr leicht auf 0,4 Prozent angehoben. Für das kommende Jahr rechnet die Regierung mit einem Plus von 1,6 Prozent.
P.Gonzales--CPN