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Hohe Inflation kostet Haushalte zwei bis drei Prozent Kaufkraft
Durch die hohe Inflation können sich die meisten Haushalte in Deutschland in diesem Jahr weniger von ihrem Geld leisten als noch vor zwei Jahren. "In vielen Arbeitnehmenden-Haushalten fallen die Nettoeinkommen 2023 nach Abzug der Teuerung um gut zwei bis gut drei Prozent niedriger aus als 2021", erklärte die Düsseldorfer Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in einer neuen Studie. Dabei hätten staatliche Maßnahmen und Inflationsausgleichsprämien Schlimmeres verhindert.
Für die Untersuchung berechneten die Experten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Stiftung die Entwicklung der Einkommen für verschiedene Haushaltstypen von Erwerbstätigen. Diese Typen reichten von alleinlebenden Menschen mit Niedrigverdienst bis zur vierköpfigen Familie mit zwei verdienenden Eltern und einem hohen Einkommen.
Alleinerziehende mit einem Kind und mittlerem Einkommen büßten 2023 laut der Studie 980 Euro an Kaufkraft ein. Alleinlebende Facharbeitende haben 746 Euro weniger als noch 2021 und eine Mittelschichts-Familie mit zwei Kindern verzeichnet einen Kaufkraftverlust von 1747 Euro.
Ein höheres reales Nettoeinkommen haben entgegen dieses Trends Alleinlebende, die zum Mindestlohn arbeiten. Sie profitieren von der "kräftigen Erhöhung" auf zwölf Euro, erklärten die Experten, und hätten in diesem Jahr 7,8 Prozent mehr Kaufkraft als 2021. Dennoch sei die Erhöhung des verfügbaren Einkommens im Niedriglohnbereich "wohl nicht in der intendierten Größenordnung" gelungen, stellen die Forschenden fest. Ziel sei es gewesen, die realen Einkommen "deutlich" zu erhöhen.
Fast alle untersuchten Haushaltstypen hatten 2023 verglichen mit den Jahren vor dem Inflationsschub 2021 "mehr netto vom brutto" übrig. "Die staatlichen Entlastungen bei Steuertarif und Sozialabgaben glichen die kalte Progression also mehr als aus", analysierten die Experten. Besonders groß seien die relativen Effekte bei Singles mit Midijob und wenig Gehalt, während in absoluten Zahlen besonders Alleinlebende mit großem Einkommen profitierten.
Stabilisierend auf die Kaufkraft könnten derweil auch die sogenannten Inflationsausgleichsprämien wirken. Arbeitgeber können bis 2024 freiwillig bis zu 3000 Euro steuer- und abgabefrei an ihre Belegschaft auszahlen. Bei einer Prämie von 1500 bliebe bei alleinlebenden Facharbeitenden somit nur noch ein Kaufkraftverlust von 67 Euro übrig. Alleinlebende mit hohen Einkommen hätten sogar mehr Geld zur Verfügung, weil die Steuerfreiheit hier stärker zu Buche schlägt. Aus Sicht der Arbeitgeber bedeute die Prämie trotz der erheblichen Höhe eine vergleichsweise moderate Kostenbelastung, stellt das IMK fest.
Auch Entlastungsmaßnahmen, insbesondere die Gas- und Strompreisbremse, der Bundesregierung hätten in diesem und im vergangenen Jahr dazu beigetragen, die Preisentwicklung zu dämpfen. Die Haushalte wurden um durchschnittlich 416 Euro entlastet.
P.Petrenko--CPN