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Industrieproduktion legt im September überraschend zu
Deutschlands Industrieproduktion hat Ende des dritten Quartals trotz der hohen Energiepreise noch einmal zugelegt: Inklusive Energie- und Baubranche wuchs sie im September um 0,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zugpferde waren vor allem die Auto- und die Pharmabranche. Der Ausblick auf die kommenden Monate bleibt laut Bundeswirtschaftsministerium aber düster.
Im Juli und August war die Produktion im produzierenden Gewerbe (also die reine Industrieproduktion plus Energie und Bau) zurückgegangen, im August betrug das Minus revidierten Angaben des Statistikamtes zufolge 1,2 Prozent. Daher kam der Anstieg im September nun überraschend.
Ausschlaggebend dafür war das kräftige Plus von 9,3 Prozent in der gewichtigen Automobilbranche. Die Pharmaproduktion legte im September sogar um 10,9 Prozent zum Vormonat zu, die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen Erzeugnissen um 3,8 Prozent.
Dies überlagerte Rückgänge in anderen Wirtschaftszweigen, etwa das Minus um 1,7 Prozent im Maschinenbau oder um 2,9 Prozent bei chemischen Erzeugnissen. In den energieintensiven Industriezweigen ging die Produktion um 0,9 Prozent zum August zurück - im Vergleich zum September 2021 betrug der Rückgang hier sogar fast zehn Prozent.
Die Produktion ist laut den Statistikern nach wir vor durch Lieferengpässen beeinträchtigt. Gestörte Lieferketten infolge des Kriegs in der Ukraine und anhaltende Verwerfungen durch die Corona-Krise führten nach wie vor zu Problemen beim Abarbeiten der Aufträge.
ING-Analyst Carsten Brzeski erklärte, die gute Entwicklung der Industrieproduktion im September erkläre teilweise auch die positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal, das entgegen der Erwartungen um 0,3 Prozent zugelegt hatte. Er verwies aber gleichzeitig auf schlechte Zahlen im September: Der Auftragseingang ging den siebten Monat in Folge zurück, die Exporte fielen leicht.
Dazu kämen erste negative Signale vom Arbeitsmarkt; Industrie und Dienstleistungsbranche hätten ihre Einstellungspläne deutlich nach unten revidiert. Brzeskis Fazit: "Alles in allem ist die Lage der Wirtschaft deutlich schlechter, als es das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal vermuten lässt." Er schließe nicht aus, dass diese Zahl noch nach unten revidiert wird.
Auch das Wirtschaftsministerium warnte, der Ausblick auf die kommenden Monate bleibe "eingetrübt". Die Stimmung in den Unternehmen sei "weiterhin deutlich unterkühlt" und die Nachfrage "spürbar rückläufig".
A.Levy--CPN