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Deutsche Chemieindustrie steckt weiter in der Krise - hofft aber auf Reformkurs
Rückgänge bei Umsatz, Produktion und Investitionen: Die kriselnde chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland kämpft auch 2026 mit sinkenden Zahlen. Das erste Halbjahr sei "enttäuschend“ verlaufen, erklärte der Präsident des Branchenverbands VCI, Markus Steilemann, am Donnerstag, Dennoch sieht der Verband "weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland" - ein "erster Schritt" ist demnach das jüngste Reformpaket der Bundesregierung.
Wie der VCI ausführte, entwickelte sich das erste Halbjahr zwar "etwas besser als die zweite Jahreshälfte 2025". Von einer nachhaltigen Erholung könne jedoch keine Rede sein: "Die Produktion lag rund drei Prozent unter Vorjahr, der Umsatz sank um ein Prozent auf 106 Milliarden Euro."
Ein "Warnsignal" ist dem Branchenverband zufolge zudem, dass die Investitionen zum nun dritten Jahr in Folge zurückgingen. Für die Unternehmen der Branche zählen demnach "hohe Energie- und Produktionskosten sowie weitere negative Rahmenbedingungen in Deutschland zu den größten Investitionshemmnissen".
Aktuell füllen die Unternehmen nach VCI-Angaben ihre Lager wegen des Kriegs am Golf auf, um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen. Gleichzeitig habe der Wettbewerbsdruck aus Asien durch die Sperrung der Straße von Hormus vorübergehend nachgelassen. Vor diesem Hintergrund habe sich das Inlandsgeschäft zuletzt etwas stabilisiert. Die Exporte seien jedoch weiterhin schwach. "Viele Anlagen sind nach wie vor unterausgelastet", erklärte der Verband. "Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021."
Angesichts steigender Kosten, schwacher Absatzmengen und eines insgesamt intensiven Wettbewerbs rechneten viele Unternehmen auch für die kommenden Monate mit einer "schwierigen Geschäftsentwicklung", führte der VCI aus. Für das Gesamtjahr werde deshalb ein Produktionsrückgang von 1,5 Prozent erwartet. Von weiteren Prognosen werde wegen der "volatilen geopolitischen Lage" derzeit abgesehen.
Grundsätzlich sei er aber "weiter von dem großen Potenzial unserer Branche als Treiber für die notwendige Transformation zu Nachhaltigkeit und Resilienz überzeugt", hob VCI-Präsident Steilemann hervor. "Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition ist der erste ernsthafte Versuch seit Jahren, die regulatorischen Ketten des Standorts Deutschland zu sprengen", erklärte er. Dieser Kurs müsse konsequent fortgesetzt werden und die Einzelmaßnahmen der Bundesregierung müssten in eine "umfassende Strukturreform" münden - zusätzliche Belastungen drohten die Lage hingegen weiter zu verschärfen.
Deutschland habe "die industrielle Substanz und die Innovationskraft", betonte der VCI-Präsident. Um diese Stärken wieder zur Entfaltung zu bringen, sei ein "Mentalitätswandel hin zu mehr Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung" nötig. "Entscheidend ist die Einsicht, dass die Kosten des Nicht-Handelns größer werden als die Kosten gemeinsamer Reformen", erklärte Steilemann.
Y.Jeong--CPN