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Sparpläne bei Volkswagen bleiben unklar - Absatz bricht weiter ein
Nach wochenlangen Spekulationen über massenhafte Stellenstreichungen und Werksschließungen bei Volkswagen bleiben die Sparpläne des Konzerns auch nach der Aufsichtsratssitzung unklar. Der VW-Betriebsrat setzte Vorstandschef Oliver Blume ein Ultimatum, er müsse sich im Laufe des Freitags "unmissverständlich" zu den Sparplänen äußern. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, Blume sei mit seinen Plänen im Aufsichtsrat "vorerst krachend gescheitert".
Der Aufsichtsrat tagte knapp vier Stunden und äußerte sich nach der Sitzung nicht. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), Mitglied des Aufsichtsrats, sagte am Donnerstagabend, es sei noch unklar, wann Entscheidungen getroffen werden.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) - in dessen Bundesland das VW-Werk Zwickau steht - sagte am Freitag im Deutschlandfunk, es gab keine Entscheidungen zu Werken oder "ob man diese großen Zahlen abbauen kann und will". Es gebe aber ein "gemeinsames Verständnis", dass die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens "nicht gegeben ist und dass man etwas tun muss".
Kretschmer kritisierte, VW habe in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten "Fehler selbst gemacht". Der Konzern gleiche einem Kombinat, er sei kompliziert und habe einen "riesigen Wasserkopf aufgebaut". "Niemand weiß, wer da was zu entscheiden hat." Das mache das Unternehmen "teuer, langsam, ineffizient und auch weniger innovativ". Was Vorstandschef Blume jetzt "zu Recht" anmahne, sei "über Jahre" nicht durchsetzbar gewesen. "Jetzt ist die Stunde der Entscheidung."
Der Konzernvorstand teilte am Donnerstagabend mit, die "strategische Neuausrichtung" des Unternehmens werde fortgesetzt. Die Modellpalette werde auf die "attraktivsten Marktsegmente konzentriert" und schrittweise um bis zu 50 Prozent "gestrafft". Die Angebotskomplexität - zum Beispiel die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen - werde um bis zu 75 Prozent reduziert. Die Produktionskapazitäten würden auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr angepasst.
Am Freitag erklärte Konzernchef Blume, der Vorstand "treibt die Transformation weiter voran und übernimmt mit der umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens". Er nannte keine Einzelheiten, sondern teilte lediglich mit, dass der Vorstand den Konzern mit seinem Zukunftsplan "noch robuster und wettbewerbsfähiger" aufstelle. Finanzvorstand Arno Antlitz ergänzte, VW wolle die Präsenz auf den großen Weltmärkten stärken, indem das Unternehmen Kosten senke, Konzernsynergien hebe, die Komplexität reduziere und die Ertragskraft nachhaltige steigere.
Der Absatz von Volkswagen ging im zweiten Quartal von April bis Juni weiter zurück: Weltweit verkaufte der Konzern mit knapp 2,1 Millionen Fahrzeugen 8,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie er am Freitag mitteilte. Demnach brachen die Verkäufe in China - dem wichtigsten Absatzmarkt - um 36,6 Prozent ein, während es insbesondere in Nord- und Südamerika und auch in Europa Zuwächse gab. Der Absatzrückgang bei VW hat sich damit weiter beschleunigt.
Medienberichten zufolge sollen bei Volkswagen bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze weltweit gestrichen werden. Zudem erwägt Konzernchef Blume demnach, die Kernmarke Volkswagen und Teile der Komponentenfertigung aus der bestehenden Konzernstruktur der Volkswagen AG herauszubrechen und in eigenständige Gesellschaften zu überführen, um die besonderen Mitbestimmungsrechte und die Sperrminorität des Landes Niedersachsen zu unterlaufen, die im VW-Gesetz verankert sind.
Die "Süddeutsche" berichtete unter Berufung auf Konzernkreise, dass der Sparplan namens "Group Target Picture" an zu vielen Stellen zu unscharf sei. Eine Zustimmung mit Mehrheit im Aufsichtsrat wäre daher "fahrlässig" gewesen. Das Land Niedersachsen habe einen alternativen Vorschlag vorgelegt, um Handlungsfähigkeit zu beweisen. Das hätten aber andere Vertreter der Aktionäre abgelehnt.
Der VW-Betriebsrat kritisierte am Donnerstagabend, es sei "unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken". Komme Blume der Aufforderung nicht nach, sich zu seinen Plänen zu äußern, werde es nach der Sommerpause "VW-weit und zeitgleich außerordentliche Betriebsversammlungen" geben, "um die Vorstände dort ans Mikrophon zu zitieren". Die IG Metall hatte am Donnerstag angekündigt, sie werde den Druck in der zweiten Jahreshälfte notfalls weiter erhöhen.
D.Philippon--CPN