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EU lockert Regeln für Schadstoffe in Kosmetika
Die EU lockert ihre Regeln für Schadstoffe in Lippenstift, Sonnencreme und Co. Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder einigten sich in der Nacht zum Mittwoch darauf, dass Kosmetika mit gefährlichen Chemikalien künftig länger auf dem Markt bleiben dürfen. Die EU gibt den Herstellern damit mehr Zeit, sich an neue Verbote anzupassen.
Bei den Änderungen geht es um Stoffe, die in größeren Mengen krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsschädigend wirken können. Die EU führt eine Liste dieser Chemikalien. Wenn der Liste ein Stoff hinzugefügt wird, darf dieser in der Folge nicht mehr in Kosmetika verwendet werden.
Hersteller können eine Ausnahme beantragen, wenn keine Alternativen verfügbar sind und sie nachweisen können, dass die verwendete Menge in ihren Produkten nicht schädlich wirkt. Zwischen einer Listung der Chemikalie und der Entscheidung über den Ausnahmeantrag dürfen aktuell höchstens eineinhalb Jahre vergehen, bei einer Ablehnung muss das Produkt danach vom Markt.
Diese Frist wird nun verlängert. Wenn ein Produkt im Test für Kosmetika für schädlich befunden wurde, darf der Hersteller es für drei zusätzliche Monate neu auf den Markt bringen und neun Monate lang bereits hergestellte Waren weiterverkaufen. Gilt ein Produkt als sicher und bleibt nur aufgrund erhältlicher Alternativen verboten, verlängern sich die Fristen um zwei beziehungsweise drei Jahre.
Die Änderungen könnten zu "vermeidbaren Gesundheitsrisiken" führen, kritisierte der Vorsitzende der europäischen Verbraucherorganisation Beuc, Agustín Reyna. Die Gesetzgeber hätten in den Verhandlungen aber "das Schlimmste verhindert".
Sie schoben weitergehenden Lockerungen einen Riegel vor: Ursprünglich hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, dass Stoffe, die nur beim Einatmen oder Verschlucken schädlich wirken, gar nicht erst verboten werden sollen. Dies lehnten sowohl eine Mehrheit im Europaparlament als auch im Rat der EU-Länder ab.
Kosmetikhersteller hatten sich für die Lockerungen eingesetzt und Vorwürfe zurückgewiesen, sie wollten Schadstoffe länger nutzen. Die Reform "macht es weniger wahrscheinlich, dass sichere Inhaltsstoffe verboten werden, und stellt zu hundert Prozent sicher, dass Inhaltsstoffe verboten werden, die verboten werden müssen", erklärte der Branchenverband Cosmetics Europe schon im April.
Das Europaparlament und der Rat der Mitgliedstaaten müssen die Einigung aus der Nacht noch offiziell verabschieden.
Ng.A.Adebayo--CPN