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Deutscher Serientäter wegen Mordes an französischem Jungen vor Gericht
Auf den Tag genau 22 Jahre nach dem Fund einer Kinderleiche in einem See in Frankreich muss sich ein bereits wegen dreifachen Kindesmordes verurteilter Deutscher in Nantes vor Gericht verantworten. Am Dienstag begann der Prozess gegen den 55 Jahre alten Martin N., der in Deutschland als "Maskenmann" bekannt geworden war. Er soll 2004 einen zehn Jahre alten Jungen aus einem Schullandheim im westfranzösischen Saint-Brévin-les-Pins entführt und getötet haben.
Die Leiche des Jungen war mit einem Betonblock beschwert gut einen Monat nach seinem Verschwinden in einem Teich gefunden worden. Der Angeklagte hatte bei den Ermittlungen die Vorwürfe bestritten.
Der Mordprozess gegen Martin N. in Deutschland hatte 2011 Aufsehen erregt. Der ehemalige Jugendbetreuer war über mehrere Jahre hinweg immer wieder in Schullandheime und Zeltlager in Norddeutschland eingedrungen, um Jungen zu missbrauchen. Dabei trug er meist schwarze Kleidung und eine Sturmhaube. Betroffene Kinder sprachen daher vom "Schwarzen Mann", was dazu führte, dass ihre Aussagen in mehreren Fällen nicht ernst genommen wurden.
Zwischen 1992 und 2001 tötete Martin N. drei Jungen im Alter zwischen acht und 13 Jahren. Nach der Ermordung des Jungen Dennis K. 2001 wurde die Sonderkommission "Dennis" gegründet. Dieser gelang es jedoch erst 2011, also nach zehn Jahren, den Täter zu fassen. Der "Maskenmann", der die Taten gestand, wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.
Als 2004 der zehn Jahre alte Jonathan in der Nacht aus dem Schullandheim an der Atlantikküste verschwand, machten die deutschen Behörden die französische Polizei auf Parallelen zum Fall von Martin N. aufmerksam. Diese war zunächst von einen Täter aus der Umgebung ausgegangen. Als Martin N. 2011 in Deutschland festgenommen wurde, bestritt er, zu der fraglichen Zeit in Frankreich gewesen zu sein.
Ein ehemaliger Mithäftling sagte allerdings 2017 aus, dass Martin N. ihm berichtet habe, auch ein Kind in Frankreich getötet zu haben - und dass er sich wundere, dass N. nicht überführt worden sei. Ein Zeuge hatte zudem ausgesagt, am Abend der Tat ein Auto mit deutschem Kennzeichen gesehen zu haben.
2021 wurde Martin N. für einige Monate nach Frankreich überführt und angeklagt. Der Prozess vor dem Gericht in Nantes soll bis zum 5. Juni dauern.
M.García--CPN