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Streiks im öffentlichen Nahverkehr: Busse und Bahnen stehen still
Der Nahverkehr liegt lahm: In etlichen Städten und Kommunen in fast allen Bundesländern haben am Freitag Streiks im öffentlichen Nahverkehr begonnen. Beschäftigte legten mit Beginn der Frühschicht die Arbeit nieder. In einigen Regionen führen die Beschäftigten den Streik auch am Samstag fort, in Bremen etwa wird laut Verdi auch am Sonntag noch gestreikt.
Ausgenommen sind Niedersachsen, wo noch bis Ende März eine Friedenspflicht gilt, sowie Baden-Württemberg, wo Verdi in dieser Woche vorerst auf Streiks verzichtet. Auch in einigen weiteren Städten gibt es Ausnahmen, etwa in Bremerhaven und Wuppertal. Verdi will mit dem Arbeitskampf in der aktuellen Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Bereits Anfang des Monats hatten Beschäftigte vieler Nahverkehrsunternehmen die Arbeit niedergelegt.
In Berlin gingen streikende Beschäftigte am Freitag mit Schildern und Gewerkschaftfahnen auf die Straße. "Ohne Streik wird sich nichts verändern", stand auf einem großen Banner der Demonstrierenden. Das Leben werde "immer teurer", sagte der 45-jährige Busfahrer Thomas Wobke der Nachrichtenagentur AFP. Wenn immer mehr gearbeitet werden solle und es aber immer weniger Geld dafür gebe, sei es "schwierig, eine Arbeitsmotivation" zu schaffen.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) pochte indes auf Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften. Es lägen "verhandelbare Angebote auf dem Tisch", sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann der "Rheinischen Post". Die Gewerkschaft müsse nun "die finanziellen Grenzen der Branche und der Kommunen" berücksichtigen.
Der Verkehrsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Christoph Ploß, warnte in der Zeitung vor den wirtschaftlichen Folgen der Arbeitsniederlegungen. Die permanenten Streiks würden nicht nur die Bürger nerven, "sondern sie belasten auch immer stärker die deutsche Volkswirtschaft". Die Leidtragenden seien vor allem "Millionen Bürger, die auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind", sagte Ploß weiter. Er appellierte an die Gewerkschaften, "maßvoller vorzugehen".
Betroffen von der Tarifrunde sind Verdi zufolge 150 öffentliche Verkehrsunternehmen und Busbetriebe in allen Bundesländern mit zusammen rund 100.000 Beschäftigten. Gegenstand der Verhandlungen sind demnach die Arbeitsbedingungen, insbesondere Entlastungen bei der Wochenarbeitszeit und den Schichtdiensten, sowie höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
P.Kolisnyk--CPN