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Russland nimmt Gaslieferung durch Pipeline Nord Stream 1 wieder auf
Nach Beendigung der Wartungsarbeiten fließt wieder Erdgas durch die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 1. "Es läuft an", sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Nord Stream AG am Donnerstagmorgen der Nachrichtenagentur AFP. Nach ersten Daten des Unternehmens wurde zwischen 6.00 und 7.00 Uhr Gas im Volumen von rund 21,4 Millionen Kilowattstunden geliefert.
Vor der Wartung hatte die Menge bei knapp 30 Millionen Kilowattstunden pro Stunde gelegen. Die maximale Kapazität der Pipeline liegt bei rund 70 Millionen Kilowattstunden pro Stunde. Die Auslastung der Pipeline lag damit am Morgen bei rund 30 Prozent.
Der Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller schrieb am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, die vom russischen Gaskonzern Gazprom für den Morgen angekündigte Gasmenge liege bei 30 Prozent der möglichen Auslastung. Die angemeldete Menge sei für die ersten zwei Stunden verbindlich, Veränderungen während des Tages wären "sehr ungewöhnlich", fuhr Müller fort.
Nach Deutschland war seit dem Beginn der Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 am 11. Juli kaum noch russisches Gas geflossen. Die Bundesregierung hatte befürchtet, dass Gazprom auch nach Beendigung der Arbeiten den Gashahn geschlossen halten könnte. Dies könnte die Pläne massiv beeinträchtigen, bis zum November die deutschen Gasspeicher bis zu 90 Prozent zu füllen. Am Mittwoch lag der Wert laut Bundesnetzagentur bei 65,1 Prozent.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Dienstag gesagt, dass Gazprom seine Verpflichtungen "in vollem Umfang" erfüllen werde. Zugleich drohte er aber mit einer weiteren Drosselung der Lieferungen: Sollte eine fehlende, in Kanada reparierte Turbine nicht in Russland eintreffen, könnten nur noch 30 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag geliefert werden. Kanada hatte auf Drängen der Bundesregierung dem Siemens-Konzern am 10. Juli erlaubt, trotz der Russland-Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs die Turbine zunächst nach Deutschland zu bringen.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen, die Lage könne sich schnell wieder ändern. "Niemand darf sich von dieser Nachricht beruhigen lassen", erklärte Energieexpertin Reenie Vietheer. "Sicherheit vor Putins Machtspielen mit fossilen Energien gibt es nur durch einen möglichst schnellen Gasausstieg." Auf dem Weg zur Unabhängigkeit müsse die Bundesregierung nun unter anderem "massive Energieeinsparungen beschließen - beispielsweise durch effiziente Wärmepumpennutzung und drastische Reduktion der Plastikherstellung" sowie "den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben".
A.Agostinelli--CPN