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EZB-Mitglied Panetta: Stagnation der Wirtschaft macht Entscheidungen "komplizierter"
EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta hat in der Diskussion um eine rasche Anhebung der Leitzinsen zu Besonnenheit gemahnt. Die Inflation steige, während die europäische Wirtschaft de facto stagniere: "Das macht die Entscheidungen, vor denen die Europäische Zentralbank steht, komplizierter", sagte Panetta in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der italienischen Zeitung "La Stampa". Eine geldpolitische Straffung mit dem Ziel, die Inflation einzudämmen, würde letztendlich das bereits schwächelnde Wirtschaftswachstum hemmen.
"Die großen Volkswirtschaften leiden", sagte Panetta. Das Wirtschaftswachstum habe sich in Spanien verlangsamt, sei in Frankreich gestoppt und in Italien geschrumpft. In Deutschland sei die Wachstumsdynamik gering und schwäche sich seit Ende Februar ab.
Die Inflation in der Eurozone lag im April bei 7,4 Prozent - Ziel der EZB sind zwei Prozent. Sie steht daher unter Druck, stärker dagegen anzukämpfen und die Leitzinsen zu erhöhen. Die US-Notenbank Fed hatte den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt angehoben und damit so stark wie seit 22 Jahren nicht mehr. Er liegt künftig in einer Spanne zwischen 0,75 und 1,0 Prozent. Die Fed erklärte, weitere Erhöhungen in Zukunft seien "angemessen".
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte am Mittwoch im "Handelsblatt" eine Zinserhöhung bereits im Juli gefordert. Zuvor sollten die Nettozukäufe von Anleihen eingestellt werden, voraussichtlich Ende Juni. Schnabel warnte vor einer Lohn-Preis-Spirale.
Panetta aber sagte "La Stampa": "Wir müssen besonnen sein und erkennen, was wir können, aber auch, was wir nicht können." Die EZB könne die Inflation nicht alleine bändigen. Der beste Weg, die Inflation schnell zu senken, sei es, die Ukraine zu unterstützen und alles zu tun, damit der Krieg schnell endet. "Frieden würde Spannungen auf den internationalen Märkten (Öl, Gas und Lebensmittel) lindern, die die Inflation antreiben."
Er riet dazu, die Zahlen des zweiten Quartals abzuwarten, um ein klares Bild zu bekommen. "Unsere Geldpolitik ist datengesteuert, und wir können keine Entscheidungen treffen, bevor wir die Zahlen gesehen haben."
A.Mykhailo--CPN